Die drei häufigsten Optionen
Es gibt im Wesentlichen drei Werkzeuge, mit denen ein Schaden bewertet wird: Kostenvoranschlag, Kurzgutachten und vollwertiges Gutachten. Sie unterscheiden sich in Tiefe, gerichtlicher Verwertbarkeit und Kosten. Und vor allem darin, welche Schadenpositionen überhaupt erfasst werden.
Kostenvoranschlag (KVA)
Der Kostenvoranschlag stammt von der Werkstatt. Er listet die voraussichtlichen Reparaturkosten, mehr nicht: keine Wertminderung, kein Wiederbeschaffungswert, keine Beweissicherung. Bei einem eindeutig begrenzten Kleinschaden kann er ausreichen.
Kurzgutachten
Ein Kurzgutachten ist strukturierter und umfangreicher als ein einfacher Kostenvoranschlag. Es dokumentiert den festgestellten Schaden fotografisch, beschreibt den erforderlichen Reparaturumfang und enthält eine nachvollziehbare Kalkulation der voraussichtlichen Reparaturkosten. Typische Bestandteile sind:
- Fahrzeug- und Halterdaten
- Schadenbeschreibung und Fotodokumentation
- Erforderlicher Reparaturweg
- Kalkulation der voraussichtlichen Reparaturkosten mit Arbeits-, Ersatzteil- und Lackierpositionen
- Gegebenenfalls erforderliche Nebenarbeiten
Ein Kurzgutachten kommt bei kleineren Schäden in Betracht, deren voraussichtlicher Reparaturaufwand sich ungefähr im Bereich von 750 bis 1.000 Euro netto bewegt. Bei dieser Größenordnung handelt es sich um einen Orientierungsbereich und nicht um eine gesetzlich festgelegte, starre Bagatellschadengrenze. Entscheidend sind immer der konkrete Schadenumfang und die Frage, ob verdeckte oder weitergehende Schäden zu erwarten sind.
Durch die sachverständige Dokumentation und Kalkulation bietet ein Kurzgutachten eine fundiertere Grundlage für die Einschätzung des erforderlichen Reparaturaufwands als ein reiner Kostenvoranschlag.
Unfallgutachten (vollwertig)
Das vollständige Schadengutachten: alle Schäden (auch verdeckte), Reparaturkalkulation, Wiederbeschaffungs- und Restwert, merkantile Wertminderung, voraussichtliche Reparaturdauer für einen möglichen Mietwagen- oder Nutzungsausfallanspruch. Gerichtlich verwertbar und vollständig.
Wir helfen Ihnen bei der richtigen Einschätzung
Welche Form der Begutachtung geeignet ist, lässt sich nicht immer allein anhand des sichtbaren Schadenbilds oder einer vorläufig geschätzten Schadenhöhe beurteilen. Entscheidend sind unter anderem der tatsächliche Reparaturumfang, mögliche verdeckte Schäden und die Informationen, die für die weitere Schadenregulierung benötigt werden.
Wir prüfen den Schaden zunächst und empfehlen anschließend, ob ein Kostenvoranschlag, ein Kurzgutachten oder ein vollständiges Schadengutachten die passende Lösung ist. Einige Beispiele zur Orientierung, ausdrücklich ohne starre Zuordnung:
- Bei einem eindeutig begrenzten Kleinschaden kann ein Kostenvoranschlag oder Kurzgutachten ausreichen.
- Liegt der voraussichtliche Reparaturaufwand ungefähr zwischen 750 und 1.000 Euro netto, kann ein Kurzgutachten in Betracht kommen.
- Besteht der Verdacht auf verdeckte Schäden oder einen höheren Reparaturaufwand, sollte der Umfang eines vollständigen Schadengutachtens geprüft werden.
- Bei einem möglichen wirtschaftlichen Totalschaden ist in der Regel ein vollständiges Schadengutachten erforderlich, da unter anderem Wiederbeschaffungswert und Restwert ermittelt werden müssen.
- Bei einer unklaren Situation beraten wir Sie vor der Beauftragung, welche Art der Dokumentation benötigt wird.
Wer zahlt was?
Unverschuldeter Haftpflichtschaden
Bei einem unverschuldeten Haftpflichtschaden können die erforderlichen Sachverständigenkosten grundsätzlich Bestandteil des zu ersetzenden Schadens sein. Bei einem Bagatellschaden kann jedoch ein Kostenvoranschlag oder Kurzgutachten ausreichend sein.
Kaskoschaden
Bei einem Kaskoschaden tragen Sie die Kosten eines selbst beauftragten Gutachtens grundsätzlich selbst. Manche Kaskoverträge enthalten jedoch eine Sachverständigenklausel, die eine vollständige oder teilweise Kostenübernahme ermöglichen kann. Alternativ kann die Kaskoversicherung vorab die Beauftragung eines unabhängigen Sachverständigen freigeben oder selbst den entsprechenden Auftrag erteilen.
Halten Sie deshalb vor der Beauftragung Rücksprache mit Ihrer Kaskoversicherung und lassen Sie sich eine mögliche Kostenübernahme beziehungsweise Freigabe möglichst in Textform bestätigen.
Ein Wertgutachten ohne Schadenbezug beauftragen und zahlen Sie privat; hier liegt kein Versicherungsfall vor.